Solidarisch Wirtschaften und Bewegungen für Postwachstum

 

Hier stehen Texte zu konkreten Alternativen und sozialen Bewegungen für ein Leben jenseits des Wachstums. Zum einen geht es um Projekte der solidarischen Ökonomie, Transition-Towns und Kooperativen. Und zum anderen und soziale Bewegungen, die für Klimagerechtigkeit, Umverteilung und eine andere Globalisierung jenseits des Wachstums kämpfen, um Decroissance, Degrowth und Postwachst

Solidarische Ökonomie

 

Paech, Niko, 2009: Eine Ökonomie jenseits des Wachstums / The Economy In The Aftermath Of Growth

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In diesem kurzen Artikel erklärt der Ökonom Paech kurz die Ansätze zu einer “Postwachstumsökonomie” und gibt damit einen guten Überblick über die verschiedenen Baustellen, an denen unsere Wirtschaftsweise verändert werden muss.

 

Allgemeine Erklärung der Gemeingüter der Erde und der Menschheit

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Dieser Entwurf von Miguel d’Escoto Brockmann und Leonardo Boff wurde auszugsweise von Silke Helfrich übersetzt und auf ihr Blog gestellt.  Der Begriff buen viver (gut leben) spielt eine Rolle. Frau Helfrich schreibt:.

Die Erklärung ist bereits auf unzähligen spanischen Seiten verlinkt und wird Ende April in Bolivien anlässlich des Gipfels der Völker zum Klimawandel und den Rechten der Mutter Erde (eine Reaktion auf das Scheitern von Kopenhagen) diskutiert.

 

Heinrichböll Stiftung (Hg): Gemeingüter – Wohlstand durch Teilen
von Silke Helfrich, Rainer Kuhlen, Wolfgang Sachs, Christian Siefkes

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"Wir versuchen in diesem Report das Potenzial der Gemeingüter auszuloten, wenn sie angemessen und nachhaltig genutzt werden. Wir ergründen, was ihre Existenz bedroht. Wir schauen, welche Regeln sich in welchen Situationen bewährt haben und welche neu zu entwickeln sind. Auf den folgenden Seiten teilen wir mit Ihnen unsere Überlegungen und Geschichten. Gemeingüter sind nicht alle gleich, so wenig wie die institutionellen Gewänder, die wir brauchen, um die vorhandenen Ressourcen in gesicherte Gemeingüter zu verwandeln. Die Verleihung des Nobelpreises für Wirtschaft 2009 an die Commons-Theoretikerin Elinor Ostrom hat der Diskussion dieser Fragen weltweit Beachtung verschafft. Anregend sind auch die theoretischen Ansätze des Ökonomen Yochai Benkler und sein Vorschlag einer « commons-based peer production », also einer « Gemeingüterwirtschaft durch Gleichgestellte » bzw. einer «Gemeinen Peer-Produktion»." (S.4)

 

Solidarische Einkaufsgruppen

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Bei den solidarischen Einkaufsgruppen („GAS“) geht es um Personengruppen, die im Sinne des Solidaritätsprinzips gemeinsam einkaufen und demzufolge kleinere lokale umwelt- und menschenfreundliche Betriebe bevorzugen, mit denen man direkten Kontakt aufnimmt. Der Grundgedanke der „GAS“ ist jener der „kurzen Handelskette“ im Sinne der Annährung zwischen Produzenten und Konsumenten nicht nur in geographischer Hinsicht, indem die näher liegenden Betriebe bevorzugt werden, sondern auch in „funktioneller“ Hinsicht durch die Ausschaltung der Zwischenhändler wie die Groß- und Kleinhändler.

 

Decroissance

„Wachstumsverweigerer“ wie Serge Latouche sind Teil einer internationalen Bewegung, die eine Gesellschaft jenseits des herrschenden Systems befürworten.

 

Broschüre Wachstumsverweigerer

Eine Kurzgeschichte der Decroissance-Bewegung zusammen mit einem allgemeinen Erklärungstext macht diesen Beitrag aus der Schweiz zum idealen Startpunkt.

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Ausstieg aus dem Teufelskreis

Ernst Schmitter aus der Schweiz fasste diese Broschüre in 2008 zusammen.

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Latouche, Serge:  Für eine Gesellschaft der Wachstumsrücknahme
in: Le Monde Diplomatique, 14.11.2003

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Allgemeine und einleitende Überlegungen zu einer Gesellschaft der Wachstumsrücknahme..

„Um eine Gesellschaft der Wachstumsrücknahme anzustreben, müssen wir tatsächlich aus der Logik der Ökonomie aussteigen und das Primat der Ökonomie vor allem in unseren Köpfen in Frage stellen. Eine Vorbedingung hierfür wäre eine drastische Verringerung der Erwerbsarbeitszeit, um allen eine befriedigende Beschäftigung zu sichern. ... In Anlehnung an die Charta "Konsumgewohnheiten und Lebensweisen", die auf dem Forum der Nichtregierungsorganisationen in Rio vorgestellt wurde, lässt sich die Programmatik auf sechs Begriffe bringen: Neubewerten, Umstrukturieren, Umverteilen, Reduzieren, Wiederverwenden, Recyceln. Diese sechs miteinander verwobenen Ziele wären imstande, einen circulus virtuosus der gelassenen, konvivialen und zukunftsfähigen Wachstumsrücknahme in Gang zu setzen.“

 

Latouche, Serge: Nachdenken über ökologische Utopien - Gibt es einen Weg aus der Wachstumsökonomie?“  in: Le Monde Diplomatique 11.11.2005

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Ein Überblick über mögliche Utopien und praktische Ansätze. 

„Eine Dynamik der Wachstumsrücknahme ließe sich durch wenige einfache und scheinbar harmlose Maßnahmen in Gang setzen.8 Ein reformistisches Übergangsprogramm müsste aus der vorliegenden Diagnose nur die Konsequenzen ziehen, die der gesunde Menschenverstand nahe legt. Zum Beispiel müssten wir den ökologischen Fußabdruck verkleinern, das heißt die materielle Produktion auf das Niveau der 1960er-Jahre zurückführen. Weiter müssten wir die Transportkosten in die Preise hinein rechnen, die Warenströme verkürzen, die bäuerliche Landwirtschaft wiederbeleben, die "Produktion" von Kommunikationsgütern fördern, den verschwenderischen Verbrauch von Energie auf ein Viertel reduzieren und die Werbeausgaben stark belasten. Und schließlich brauchen wir ein Moratorium für technologische Innovationen, um eine ernsthafte Bestandsaufnahme der erreichten Fortschritte vorzunehmen und die wissenschaftliche und technische Forschung neu zu überdenken.“

 

Passadakis, Alexis J.; Schmelzer, Matthias: Postwachstum – 12 Fluchtlinien einer solidarischen Ökonomie jenseits des Wachstums

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Was ist das Ziel unserer Wachstumskritik, und warum halten wir es grundsätzlich für notwendig jetzt Fluchtlinien einer Postwachstumsökonomie zu skizzieren? Unser Ziel ist, soziale Rechte global durchzusetzen, die ein gutes Leben für alle möglich machen. Unsere Alternative einer solidarischen Post­wachstumsökonomie hat nicht wie viele Spielarten der Wachstumskritik nur abstrakt „das Überleben der Menschheit“ oder „die Rettung der Natur“ vor Augen. Denn eine solche Perspektive droht konkrete soziale Rechte von Individuen und Gruppen auszublenden. Sie soll stattdessen den Anspruch sozialer Gerechtigkeit und Gleichheit im hier und jetzt und in der Zukunft einlösen. Schon als die englischen Bauern von dem Landadel von den Allmenden vertrieben wurden, konnte die soziale Frage nicht getrennt von der ökologi­schen betrachtet werden – auch wenn dies in der Vergangenheit häufig getan wurde. Globale Gerechtigkeit kann nur sozial-ökologische Gerechtigkeit sein. Eine zentrale Fluchtlinie dahin ist die solidarische Postwachstumsökonomie.

 

Proceedings of the First International Conference on
Economic De-Growth for Ecological Sustainability and Social Equity
Paris, 18-19 April 2008

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In diesem über 300-seitigen englischsprachigen Dokument sind alle Aufsätze der Ersten Internationalen De-Growth Konferenz in Paris 2008 dokumentiert. Es bietet damit einen sehr guten Überblick über den Stand der Diskussion in der wachstumskritischen internationalen Szene: über 130 Wissenschaftler_innen und Vertreter_inner der Zivilgesellschaft beschäftigen sich mit der Genese des Wachstumsparadigmas, neuen Indikatoren, der Frage, ob Schrumpfung oder Stagnation notwendig sind, der Frage der Rebound Effekte – und vor allem mit einer Vielzahl an Alternativen: Fairteilung von Arbeit, Umverteilung, Schrumpfung bestimmter Produktionsbereiche, und neuen Formen von Demokratie, Kultur und ökonomischen Institutionen.
Das Dokument enthält auch die ausgesprochen spannende Abschlusserklärung der Konferenz.

 

Rijnhout, Leida/Schauer, Thomas, 2009: Socially Sustainable Economic Degrowth

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In diesem online zugänglichen englischsprachigen Band sind Beiträge versammelt von einem Workshop im Europäischen Parlament im April 2009 bei dem es um sozial nachhaltiges wirtschaftliches Schrumpfen ging. Mit Beiträgen von Joan Martinez Alier, Francois Schneider , Raul Wieder u.a.

 

François Schneider 2010: Entwachstum, Schrumpfung, Postwachstum

Folien eines Vortrags auf der SoAk 2010 in Hamburg-Bergedorf
(Powerpoint, 3,8 MB)

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François Schneider aus Frankreich gibt einen Einblick in decroissance/degrowth. Sehr nützlich ist auch die link-Sammlung am Ende des Vortrags.

Subsistenzprinzipien

Maria Mies: Lokalisieren statt Globalisieren

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Ein aus der „Sand im Getriebe“ Ausgabe vom 6. März 2004 entnommener Aufsatz.  Lokalisieren bedeutet eine Absage an kapitalistische und patriarchale Grundprinzipien und das in Kraft setzen neuer Subsistenzprinzipien.

 

 

„Statt permanentem, expansivem Wirtschaftswachstum - Aufbau von die Grenzen respektierenden Wirtschaftsräumen. Diese „Grenzen' sind nicht nur ökologischer, sondern auch ökonomischer und sozialer Natur. Auch unsere Bedürfnisse sind begrenzt. Die kapitalistische Wirtschaft bindet die Befriedigung fast aller unserer Bedürfnisse an die Produktion und den Konsum von Waren.

 

von Werlhof, Claudia: Subsistenz - Abschied vom ökonomischen Kalkül

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Der Text folgt ihrem Vortrag "Subsistenz: Abschied vom ökonomischen Kalkül?" beim Kolloquium ”Subsistenzperspektive” an der Humboldt-Universität Berlin am 25.1.93.   Hier wird der Begriff „Subsistenz“ ausführlicher entwickelt (s. Beitrag von Maria Mies).

 

Veronika Bennholdt-Thomsen: Geld kann man nicht Essen!

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„Leider sind die meisten globalisierungskritischen Gruppen nach wie vor zu sehr vom Ziel des Wirtschaftswachstums beeinflusst und glauben, durch hinreichende Regulierungen das bestehende Finanzsystem bändigen zu können.  Das greift zu kurz, denn die einen arbeiten, um zu leben, während sich die anderen die meisten Erträge aneignen.  Das Geld dient dabei als Transportmittel für diesen Tributtransfer.  Wir brauchen aber eine Wirtschaftsweise, die das gute Leben aller ermöglicht.“ (S. 4)

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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